Hintergrund
Im Jahr 2003 hatten 52 Prozent der Deutschen noch nie den Begriff "demografischer Wandel" gehört. Heute ist das Thema in aller Munde und wird zunehmend mit der Frage der Zukunft der Pflege verknüpft.
Die Menschen werden immer älter, und immer mehr alte Menschen benötigen professionelle Hilfe.
Vor allem durch die Einführung der Pflegeversicherung ist die Altenpflege zum Jobmotor geworden: Allein zwischen 1999 und 2009 hat die Zahl der Beschäftigten bei ambulanten Pflegediensten um rund 46 Prozent und in Pflegeheimen um rund 41 Prozent zugenommen. Ende 2009 waren laut Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 890.000 Personen in der Altenpflege beschäftigt, davon rund 30 Prozent bei ambulanten Pflegediensten und 70 Prozent in Pflegeheimen.
Und der Fachkräftebedarf im Gesundheits- und Sozialwesen wächst weiter. Die vorausgesagte Entwicklung im Pflegebereich ist dramatisch: Schon heute fehlen 50.000 Altenpflegekräfte. In 15 Jahren könnten laut Statistischem Bundesamt 112.000 Vollzeitstellen unbesetzt sein, während die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 von 2,3 Millionen auf 3,4 Millionen steigen und sich bis 2050 sogar verdoppeln könnte, weil der Anteil alter Menschen steigt. Schon in 20 Jahren ist jeder dritte Einwohner älter als 60 Jahre. Auch in Schleswig-Holstein sind zahlreiche Arbeitsplätze unbesetzt.. Alleine 700 Stellen in der ambulanten und stationären Altenpflege waren im Dezember 2010 bei den Arbeitsagenturen gemeldet und warten auf ihre Besetzung.
Um die Altenpflege trotzdem leisten zu können, wird derzeit versucht, immer mehr Aufgaben auf den Schultern der Pflegefachkräfte zur verteilen. Doch das ist unserer Meinung nach der falsche Weg. In unseren Häusern arbeiten schon jetzt nicht nur Altenpfleger, sondern Menschen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen.
Künftig muss es noch stärker darum gehen, junge Leute mit verschiedenen Qualifikationen und Herkunftsländern zu gewinnen.
Besonders wichtig ist dabei die Rolle der Ehrenamtlichen und jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr
Nur wenn wir es schaffen, alle Kräfte und Strukturen zu bündeln, können wir die Zukunft der Pflege tragfähig gestalten.
In zahlreichen Gesprächen haben wir jedoch festgestellt: Viele Menschen, vor allem Jugendliche, haben völlig falsche Vorstellungen von den Tätigkeiten in der Altenpflege: „anstrengend, belastend, schlecht bezahlt und dann auch noch dieser Schichtdienst!“
Eine aktuelle Studie am Institut für Public Health und Pflegeforschung Bremen hat jedoch gezeigt:
Die Pflegeberufe sind viel besser als ihr Ruf!
Grundlage für die Studie waren Befragungen unterschiedlicher Personengruppen in mehreren norddeutschen Städten.
Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Zurzeit haben Pflegeberufe sowohl für Schüler als auch für deren Eltern ein eher negatives Image. Allerdings entsprachen ihr Kenntnisse über Pflegeberufe dabei in weiten Teilen bekannten Klischees. Dies gilt insbesondere für die männlichen Jugendlichen: Sie sehen die Pflege als schweren, aufopferungsvollen Beruf. Zwar gilt die Arbeit allgemein als sicher, bietet den Pflegenden aber nur geringe Aufstiegs- und Verdienstchancen.
Anders dagegen das Ergebnis einer Befragung derjenigen, die bereits in Pflegeberufen tätig sind: Einerseits beklagen viele von ihnen einen Mangel an Wertschätzung und Anerkennung ihrer Arbeit. 94,4 Prozent der im Zuge der Studie befragten Auszubildenden aber würden den Pflegeberuf wieder wählen. Der Altenpflegemonitor 2001 hat dies bestätigt: Trotz widriger Rahmenbedingungen arbeiten die Fachkräfte gern in der Altenpflege (89 %) und sind mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden (86 %). Das liegt vor allem daran, dass sie intrinsisch motiviert sind: Sie wollen ihre Arbeit gut machen und den ihnen anvertrauten Menschen ein bestmögliches Leben mit Pflege ermöglichen.
Doch was genau bedeutet ein gutes Leben mit Pflege?
Die meisten, so haben unsere Gespräche mit jungen Menschen und alle bisherigen Studien deutlich gemacht, verbinden ein Leben mit Pflege vor allem mit Alter, Krankheit und Sterben und haben deshalb große Berührungsängste mit diesem Thema.
Denn Pflege spielt sich leider noch viel zu oft hinter verschlossenen Türen ab.
Doch Altersangst, davon sind wir überzeugt, lässt sich nicht dadurch verringern, dass man hilfs- und pflegebedürftige alte Menschen meidet und Pflege alleine Profis überlässt.
Pflege geht uns alle an!
Deshalb möchten wir im Rahmen unserer Kampagne die Türen unserer Einrichtungen und Dienste öffnen und alle, junge und alte Menschen einladen, sich ein eigenes Bild von Pflege zu machen.
„Ein Lächeln. Ein Händedruck. Vielleicht auch einfach nur eine gewisse Ahnung - das sind die schönen Seiten der Pflege“, so Biathletin Magdalena Neuner. „Denn auch die gibt es! Vielleicht sogar mehr als man am Anfang vermuten mag.“
Fachkräftebedarf in der Pflege
Projektionen den Personalbedarfs des Statistischen Bundesamtes
(als pdf-Datei © Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2010)






