8. Norddeutscher Wohn-Pflege-Tag im Zeichen der Digitalisierung

16. November 2018

Schleswig-Holsteins Sozialminister Dr. Heiner Garg spricht über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Pflege

„Wie viel Digitales verträgt Soziales? Selbstbestimmt, sicher und gepflegt alt werden“

 Neumünster, 15. November 2018. Ob Roboter, Sturzerkennung, Smart Home oder Erinnerungsapps: In der Pflege spielt die Digitalisierung eine immer größere und wichtigere Rolle. Aus diesem Grund haben die Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter (KIWA) gemeinsam mit der Hamburger Koordinationsstelle (KO) am Donnerstag das Thema „Wie viel Digitales verträgt Soziales? Selbstbestimmt, sicher und gepflegt alt werden“ beim 8. Norddeutschen Wohn-Pflege-Tag in der Stadthalle in Neumünster auf die Agenda gesetzt.

 

Fachtagung für Experten zum Thema Digitalisierung

Was bedeutet Digitalisierung für unseren Alltag, unsere Wohn- und Lebensentwürfe, Nachbarschaftskontakte und den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft? Welche Möglichkeiten bietet sie Menschen, die im Alter selbstbestimmt leben möchten, die auf Pflege und Assistenz angewiesen sind? Und welche Folgen ergeben sich durch Digitalisierung für die Pflegerinnen und Pfleger?  Über diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Digitalisierung in der Sozialen Arbeit und Pflege tauschten sich einen Tag lang unterschiedliche Fachexperten in Neumünster aus.

Im Zentrum stand die Frage, wie Menschen mit einem Unterstützungsbedarf in ihrer Häuslichkeit verbleiben können – durch Gemeinschaft und Nachbarschaft, vernetzt durch Technik und face to face. Dazu braucht es deren Befähigung, aber auch verschiedene Akteure wie die Wohnungswirtschaft, ein stabiles Quartiersmanagement und eine gute Infrastruktur. Für einen erfolgreichen digitalen Wandel investiert die Landesregierung Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren gezielt in den Ausbau der notwendigen Infrastruktur wie beispielsweise den Glasfaserausbau. Sozialminister Dr. Heiner Garg betont: „Die Veränderungen durch die fortschreitende Digitalisierung berührt alle Arbeits- und Lebensbereiche. Dazu zählen auch der Gesundheits- und der Pflegebereich. Ziel muss es sein, digitale Lösungen dabei entlastend und unterstützend zu nutzen, ohne ethische Grenzen aus dem Auge zu verlieren. Die Bedürfnisse pflegebedürftiger und älterer Menschen müssen unser Maßstab sein.“

 

Digitalisierung verändert Pflege und Soziale Arbeit

Der 8. Norddeutsche Wohn-Pflege-Tag zeigte unterschiedlichste Perspektiven zum Thema Digitalisierung in der Pflege auf, präsentierte Projekte und stellte zentrale Fragen, auch nach Datenschutz und Persönlichkeitsrecht, zur Diskussion. Chancen und Risiken der Digitalisierung kamen zur Sprache, mögliche Szenarien wurden entwickelt und Positionen bezogen nach dem Motto: So viel Digitales verträgt Soziales. „Digitale Innovationen und Geschäftsmodelle werden die Soziale Arbeit und die Pflege in den kommenden Jahren radikal verändern. Es ist unsere Verantwortung, dass die Digitalisierung in der Pflege vorankommt. Wir müssen den Prozess aktiv mitgestalten, bevor das andere Akteure für uns übernehmen. Die Digitalisierung bietet große Chancen, etwa um Fachkräfte oder Angehörige zu entlasten. Der Mensch und sein Wohlbefinden müssen dabei aber immer im Mittelpunkt stehen“, sagt AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck in seinem Grußwort.

Klar ist, Technik muss in der Pflege als Unterstützung dienen. Auch der 8. Altersbericht der Bundesregierung wird sich mit dem Thema „Ältere Menschen und Digitalisierung“ beschäftigen. Referent Prof. Hülsken-Giesler von der Universität Vallendar ist Mitglied in der Kommission und sagt: „Technik, und das gilt auch für digitale Technologien, ist nie nur Mittel zum Zweck – sie verändert soziale Situationen und gegebenenfalls auch soziale Beziehungen. Über einen intensiven Diskurs zu den Möglichkeiten und Begrenzungen der Digitalisierung in der Pflege haben wir heute noch die Möglichkeit, die Gestaltung der sozialen Beziehungen von morgen zu beeinflussen. Dies ist unsere Verantwortung, dies ist unsere Aufgabe.“

 

Hintergrund

Der Norddeutsche Wohn-Pflege-Tag findet alle zwei Jahre statt – abwechselnd in Hamburg und Schleswig-Holstein. Der vorherige Wohn-Pflege-Tag war im Jahr 2014 in Lübeck schwerpunktmäßig zum Thema Quartier. Die zentralen Akteure sind die Hamburger Koordinationsstelle und KIWA. Das Kompetenzzentrum Demenz ist auch in diesem Jahr Kooperationspartner. Die Veranstaltung dient als Einführung in die Thematik und soll die Möglichkeit geben, sich in den kommenden Jahren vertieft damit auseinanderzusetzen. In Fachgesprächen ab dem Jahr 2019 folgen dann spezifische Workshops zu dem Thema „Digitalisierung in der Pflege“.

8. Norddeutscher Wohn-Pflege-Tag