Altenpflegepreis 2019

9. Dezember 2019

Wir freuen uns sehr über den 3. Platz des diesjährigen Altenpflegepreises und bedanken uns bei unseren Kolleg*innen für ihr Engagement und die tolle Zusammenarbeit.

„Mit mehr Sinn“ – Integration einer gehörlosen Mitarbeiterin

Rahmenbedingungen

Vertrag:

  • Praktikum (i.R. einer Maßnahme der Arbeitsagentur beim bfw-Unternehmen für Bildung (Berufsfortbildungswerk), vierteljährliche Befristung, jährliche Befristungen mit Sachgrund, Entfristung

Förderungen:

  • Eingliederungszuschuss (Lohnkosten)durch die Agentur für Arbeit Zuwendung aus Mitteln der Ausgleichsabgabe für schwerbehinderte Mitarbeiter*innen“ (z.B. Budget für Dolmetscher) durch das Integrationsamt

 

Kommunikation unter Kolleg*innen:

  • So viele Kollegen*innen, so viele unterschiedliche Modelle.
  • Nach Schätzung von Sophia Reimer kann sie etwa 30% vom Mund ablesen, es geht besser, wenn Kolleg*innen deutlich sprechen und kurze Hauptsätze formulieren.
  • Kolleg*innen, die häufig mit Sophia Reimer zusammen arbeiten, erlernten nach und nach Standard- Hand- und Fußgebärden,
    zum Beispiel für: WC, Tabletten, Spritze, (Blut-)Zucker, Blutdruck, Puls, Schmerzen, Essen, Butter, Kaffee.
  • Auf sich aufmerksam machen:
    das Licht an und aus machen oder mit den Füßen trampeln
  • Ggf. etwas „schriftlich absichern“
  • Komplexe Sachverhalte mit Dolmetscher oder schriftlich bzw. schriftlich unterstützt.
  • Rechtzeitige Termine z.B. für Fortbildungen oder die „großen Übergaben“ sind wichtig, damit ein Gebärden-Dolmetscher dabei ist.

 

Kommunikation mit älteren Menschen:

  • Wenn ich Anklopfe und dann ein Zimmer betrete, läuft es meist so:
  1. Zeichen geben, dass ich nichts höre
  2. Zeichen für „Hallo“ geben
  3. Ich tippe auf mein Handgelenk für die Uhrzeit „Es ist Zeit aufzustehen“
  4. Dann gebe ich z.B. Zeichen für Essen, Trinken, oder zeige auf Dinge, die wir als nächstes machen, zeige auf den Stuhl zum Hinsetzen o.ä.

 

  • Voraussetzung: Augenkontakt.
    Eine Fixierung mit den Augen muss möglich sein. Kleine Regungen finden sich bereits in der Mimik. Ich nehme z.B. wahr, wenn jemand nervös ist oder leichte Schmerzen hat.

 

Beispiel für die Kombination von Wahrnehmungen:

  1. Wenn ein Bewohner sein Bein kaum merklich,
    aber nicht mehr richtig belastet,
  2. weil er Schmerzen hat.
  3. In der Dokumentation würde ein hörender Mensch vielleicht erst noch schreiben: „Herr xy war müde und hat sich nicht so viel bewegt“.
  • Wenn ein Bewohner auf die Toilette muss und vorher vermehrt rumrennt oder auf dem Stuhl beginnt zu wackeln, dann sehe ich das sehr schnell.
  • Schwierig wird es für mich, wenn ein Bewohner selbst gerne und viel spricht, dann werden sprechende Mitarbeiter*innen eher vorgezogen.
  • Ich muss immer sehr wache Augen haben. Das ist eine große tägliche Herausforderung. Auf Anraten der Kolleg*innen habe ich gelernt, meinen Fokus häufiger zu lösen und Blicke ins Umfeld schweifen zu lassen, um weitere Begebenheiten wahrzunehmen.
  • Übergeordnete Aufgaben durch das Leitungsteam
  • Enge Begleitung des Teams durch Team- und Einzelgespräche, ansprechbar sein
  • Schnelle strukturelle Anpassungsmechanismen in Bezug auf die Arbeitsorganisation (Dienstpläne, Mitarbeiterbesprechungen, Aufgabenverteilungen anpassen)
  • Beratungen zu Förderungen einholen/Antragstellungen für  Förderungen.

 

Resümee:

Veränderung geht nur gemeinsam mit allen Beteiligten. Als Belastung bleibt der Teil der Aufgaben bestehen, die Frau Reimer nicht leisten kann: Telefonate, spontane Gespräche mit Angehörigen oder auch die Menschen, die Frau Reimer nicht betreuen kann. Auch die Mühen der schriftlichen Kommunikation bei komplizierteren Sachverhalten bedeuten einen Mehraufwand. Alle Seiten konnten ihr kommunikatives Handlungsspektrum gemeinsam erweitern.

 

Die Kolleg*innen haben sehr schnell die besonders ausgeprägte Fähigkeit der nonverbalen Kommunikation über Mimik und Gestik, die schnelle Wahrnehmung und Kombinationsfähigkeit von Eindrücken von Sophia Reimer schätzen gelernt.

Kommunikation unter Kolleginnen:

schriftlich und mit Hilfe des Mobiltelefons

 

Lagern (drehende Bewegung) Zeitangabe (alle zwei Std.)

 

Gebärde für Bewohnerin mit Hörgerät

 

Kommunikation mit WG-Bewohnern:

Aufforderung aufzustehen und mitzugehen… … das Aufhelfen

Mitgehen mit dem Rollator in Begleitung… …und zum Tisch führen.