Biografisches Schreiben – Schreibwerkstatt im AWO Servicehaus Norderstedt

16. Juni 2016

Teilnehmer*innen der Schreibwerkstatt

Am 14.06.2016 fand das erste Treffen der Schreibwerkstatt in unserer Bücherei statt. Neun Damen und Herren aus unserem betreuten Wohnen hatten Lust, sich dem Schreiben zu widmen und biografische Ereignisse festzuhalten.

Die Idee für das Projekt kam uns durch eine ehemalige Mieterin, Ingrid von Husen, die ihre Lebensereignisse durch das Schreiben verarbeitete. Geprägt von Kriegs- und Nachkriegserlebnisse hat Frau von Husen durch ihre Geschichten nicht nur ihr eigenen Leben be- und verarbeitet, sondern auch den Nachbar*innen im AWO Servicehaus Mut gemacht, mir Hilfe von Geschichten den Erinnerungen Raum zu geben.

Wir hatten das Glück, einen Großteil ihrer Geschichten zu erben und entwickelten beim Lesen den Gedanken, dass es sicherlich viele andere Mieter*innen und Bewohner*innen bei uns geben könnte, denen dieser Weg der Verarbeitung helfen würde.

Die Senior*innen haben die Möglichkeit, unter Professioneller Anleitung Anekdoten und Erlebnisse aus ihrem Leben niederzuschreiben und ihm Rahmen der Schreibwerkstatt miteinander zu teilen.

Die Schreibwerkstatt wird professionell begleitet. Patrizia Held, Germanistin M.A. und Dozentin für kreatives und biografisches Schreiben, leitet die Schreibwerkstatt gemeinsam mit der ehrenamtlich tätigen Sozialpädagogin Christine Schmid. Christine Schmid war bis zu ihrer Verrentung im AWO Servicehaus Norderstedt tätig, kennt die Teilnehmer*innen und wird das Projekt ab Januar 2017 alleinverantwortlich übernehmen.

Die Teilnehmer*innen erhielten als Begrüßungsgeschenk am ersten Termin der Schreibwerkstatt eine AWO Schreibmappe, einen Kugelschreiber und eine Packung Studentenfutter, um die „grauen Zellen“ anzukurbeln, sowie ein Brillenputztuch „für eine klare Sicht in die Vergangenheit“. Teilnehmer*innen, die nicht alleine zur Schreibwerkstatt kommen können, wurden von unseren Mitarbeiter*innen von Zuhause abgeholt und wieder zurückgebracht.

Am Anfang jeder Schreibwerkstatt steht eine kleine „Aufwärmübung“: Es wird der Anfang einer Kurzgeschichte vorgelesen und die Teilnehmer*innen werden gebeten sie zu vervollständigen. Es wird ein Gedicht vorgetragen und die Teilnehmer*innen werden ermutigt, die passende Geschichte dazu zu schreiben. Am Ende werden die Ergebnisse der jeweiligen Schreibwerkstatt wechselseitig vorgestellt.

Mit der biografischen Schreibwerkstatt möchten wir unseren Mieter*innen und Bewohner*innen die Gelegenheit bieten, ihre nachbarschaftlichen Netzwerke durch die gemeinsame Aktivität zu stärken. Damit soll das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Hauses weiter gefestigt werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch das Erkennen ähnlicher biografischer Ereignisse (z.B. Kindheit im Krieg, Mutter werden oder der Verlust des Ehepartners) die Erlebnisse besser zu verarbeiten sind und neue Anknüpfungspunkte für Gespräche im Alltag entstehen.

Darüber hinaus soll jede*r Teilnehmer*in die Möglichkeit haben, sich der Bedeutung von sehr persönlichen Lebensereignisse bewusster zu werden. Dies schließt nicht nur große, sofort als bedeutend erkennbare Ereignisse ein, sondern auch die kleinen Bräuche, Traditionen und Anekdoten, die im Laufe des Lebens entwickelt und erlebt wurden.

Im fortgeschrittenen Prozess der Schreibwerkstatt sollte diese aber vor allem der Bearbeitung schwieriger Lebensereignisse dienen. Darüber hinaus möchten wir außerdem den Einzelnen durch die gegenseitige Anerkennung des Geschriebenen stärken.