Bombenevakuierung braucht Organisationstalente, Ausdauer und gute Stimmung

20. August 2015

… und davon haben die Mitarbeiter im AWO Servicehaus Wellingdorf glücklicherweise genug. Bereits Freitag vor zwei Wochen gehörte das Haus in der Wischhofstraße zu den Gebäuden, die wegen der Bombenentschärfung eines Blindgängers aus dem zweiten Weltkrieg evakuiert werden mussten. „Das war unsere Generalprobe, die Einrichtungsleiter Ulli Gräfe organisiert hat“, sagt Barbara Frank, Pflegedientleiterin in Wellingdorf, „diesen Freitag werden vier Bomben entschärft und es geht nicht um wenige Stunden, sondern voraussichtlich um einen ganzen Tag.“

Insgesamt leben gut 80 Personen im Haus. Einige organisieren den Evakuierungstag selbst und ein anderer Teil verbringt den Tag in der Turnhalle, die als Notunterkunft zur Verfügung steht. Sie werden von zwei Mitarbitern begleitet und Lunchpaktete, Kartenspiele und gute Laune sind auch im Gepäck.

Für knapp 30 Personen ist diese Variante jedoch keine Option. Es sind Menschen im Rollstuhl, Menschen, die liegen, Menschen, die in einer neuen Umgebung Orientierungsschwierigkeiten haben. „Also muss es ein anderer Plan her“, sagt Nicola Muus, die Hauswirtschaftsleiterin der Kieler Servicehäuser. Gemeinsam mit Barbara Frank macht Sie sich ans Organisieren: 13 Menschen werden den Tag im Servicehaus Mettenhof verbringen und 16 im AWO Servicehaus Ellerbek – natürlich ebenfalls begleitet von Mitarbeitern aus dem eigenen Haus.

Aber wie kommen die Personen, die zusammen 2 Handstöcke, 9 Rollatoren, 9 Rollstühle, 5 spezielle Pflegerollstühle und 2 Pflegebetten über Tag benötigen, zusammen mit den Hilfsmitteln dorthin?

Wir haben genau hingeschaut“, sagt Frau Frank „welches Hilfsmittel wird für den Transport benötigt und welches erst vor Ort? Was kann eventuell aus dem anderen Haus geliehen werden? Und wer übernimmt den Transport?“

Dafür wird auf das Evakuierungsmanagement bzw. das Rote Kreuz und die KVG zurück gegriffen. „Für zwei Personen, ist ein Liegendtransport organisiert und ein KVG-Bus fährt die anderen Servicehausbewohner mit Rollstühlen, Medikamenten, Sack und Pack nach Ellerbek und Mettenhof“, berichtet Nicola Muus,  „und ein Hausmeister fährt einen frühmorgendlichen Extra-Einsatz, denn Pflegesessel müssen über Tag nach Mettenhof für die Gäste gebracht werden.“

Es ist schon ein großer logistischer Aufwand“, sagt Frau Frank und ergänzt „aber es ziehen alle an einem Strang. Die Mitarbeiter in Wellingdorf und die Unterstützer aus den anderen Servicehäusern tun alles für einen sicheren und trotz der Widrigkeiten angenehmen Tag.“