„Das Leben muss ja irgendwie weitergehen“

12. Mai 2020

Präsenzkraft Andrea Wichmann arbeitet normalerweise im Café im Servicehaus Fruerlund und organisiert dort für die Mieter/Innen Veranstaltungen der AWO. Doch seit der Schließung des Cafés haben sich ihre Aufgaben etwas verändert. Eine davon ist die Verteilung des Mittagessens, dass sie den Mieter/Innen vor ihre Wohnungstür bringt.

Beim Verteilen des Mittagessens kommt sie mit einigen Mietern an der Tür ins Gespräch und dabei erzählen ihr die Mieter/Innen, dass die Zeit der Isolation nun schon sehr lange andauert. Sie schwanken zwischen Angst etwas falsch zu machen und der Sehnsucht nach Nähe und Besuchen ihrer Liebsten und Nachbarn. „Niemand nimmt mich mehr in den Arm.“ sagt eine Mieterin traurig. Für viele sind zur Zeit die einzigen Highlights des Tages die Pflegekräfte und Betreuungskräfte, die zur Versorgung kommen und der Kontakt mit den MitarbeiterInnen des Servicehauses Fruerlund. Die täglichen Aktivitäten und Veranstaltungen im Café entfallen ja schon seit vielen Wochen und somit versucht Frau Wichmann der Einsamkeit mit Einzelbesuchen und kleinen Spazierrunden entgegenzuwirken. „Mir fehlt das Café sehr!“ beklagen die Mieter sich „Kaum jemand traut sich vor die Tür und die Flure wirken wie ausgestorben.“ Schon Mittags kommt teilweise an der Tür von den Senioren/Innen die Frage: „Frau Wichmann, Sie besuchen mich doch heute Nachmittag, oder?“ Wenn Frau Wichmann (natürlich mit Mundschutz und Sicherheitsabstand) dann im Wohnzimmer der Mieter/Innen sitzt, ist der Mitteilungsbedarf groß. Um so wichtiger ist die Funktion von Frau Wichmann mit ihrer Nähe und Anteilnahme ein wenig Freude und Abwechslung in den Tag zu bringen.

 Eine Mieterin erzählt, dass sie ihrer Haushaltshilfe schon seit Wochen abgesagt hat. „Das geht aber so nicht weiter! Die groben Arbeiten schaffe ich einfach nicht und so fühle ich mich nicht mehr wohl in meiner Wohnung.“ Deshalb hat sie nun beschlossen sich ab nächster Woche auf das Risiko einzulassen und die Reinigungskraft wieder in die Wohnung zu lassen: „Das Leben muss ja irgendwie weitergehen!“