Ausstellung „Lebenslinien“ in der Galerie Sandberg

24. Oktober 2019

Ausstellung „Lebenslinien“ am vergangenen Sonnabend, 9. November, 15 Uhr in der Galerie Sandberg eröffnet.

Schon als Kind sah man Tanja häufig mit Stiften vor weißem Papier sitzen. Früh fällt ihr Talent auf und Eltern und Kunstlehrer bestärken sie immer wieder. „Ich dachte immer, die Kunst wird mein Beruf werden“, erzählt sie. Doch sie entscheidet sich für einen medizinischen Beruf, das Malen gibt sie nie auf. Als ihre Kinder noch klein sind,  belegt sie Kurse und erlernt Techniken der Portrait- und Aktmalerei. Die heute 54-Jährige arbeitet genau, detailtreu und ist selbst ihre größte Kritikerin. Manchmal übermalt sie komplette Werke wieder. Sie hat Zeiten, da überkommt sie die Mal-Wut. Dann wiederum betritt sie ihr Kreativzimmer oft Wochen lang  nicht. Die experimentelle Malerei entdeckt sie erst Jahre später  für sich und besucht auch hier wieder Kurse. „Am Anfang hat mich das fast wahnsinnig gemacht.“, erzählt sie „Ich war ja bis dahin immer Bleistift und  hatte viel zu viel den Kopf an.“ Doch Tanja Konietzko lernt loszulassen. „Man muss einfach anfangen. Irgendwann sieht es dann aus wie ein Elefant oder vielleicht wie eine Blume.“ Die Flensburgerin spielt mit Farben und Materialen. Spraydosen, Gips, Zeitungspapier, auch  Kaffeesatz, Fassadenfarbe und Sand baut sie mit ein und taucht schon einmal statt den Pinsel ihren Unterarm in den Farbtopf. Ihre großformatigen Leinwände leuchten, sind farbenfroh. Hin und wieder nimmt sie Auftragsarbeiten an. Doch meisten lässt sich Tanja  Konietzko von „Lust und Laune“ leiten.

Während einer ihrer Kurse lernt Tanja Konietzko die Kieler Künstlerin Bettina von Elm kennen. Anders als die Flensburgerin hat sie sich schon immer der experimentellen Kunst verschrieben. Ihr Handwerkszeug sind Stoffe, Bilder, Schriften und die Fotografie. Alles setzt sie zu übergroßen Collagen zusammen, interpretiert immer wieder neu. „Ich brauche viel Platz“, lacht sie. Schriften beschäftigen die 54-Jährige seit jeher. So arbeitet sie beispielsweise Zeitungsausschnitte, Gedichte, Plakate und ähnliches mit ein. Vor allem sind es feine Stoffe, die ihren Werke Haptik und verschiedene Dimensionen geben. Aus dem Urlaub hat sie jüngst eine abgelegte Schlangenhaut mitgenommen und  noch warten auch Libellenflügel auf Verwendung. Ebenso glänzende Schokoladen-Verpackungen verstecken sich in ihren Werken. Wellpappe, bestickte Seide, Stofffetzen aus Verschnitten und Kaufhäusern – alles verwertet Bettina von Elm mit starken Klebern und Malerbedarf. Einmal arbeitet die Künstlerin filigran und sorgfältig, mal „knüllt“ sie ihr Material auf die Leinwand. So bringen sie auch einiges an Gewicht mit.  Ihre Werke erzählen Geschichte und wollen vom Betrachter oft gern erfühlt werden. „Ich beobachte oft, dass man meine  Bilder anfassen will“, so die Kielerin. Auftragsarbeiten macht Bettina von Elm so gut wie nie. „Manchmal fließt es, manchmal hakt es. Ich kann das schwer anleiten“, sagt sie. Schöpfung habe für sie etwas mit „bei sich sein“ zu tun. Bettina von Elm bezeichnet sich selbst als „wenig experimentierfreudig.“ „Ich habe meinen Weg gefunden und dabei bleibe ich“, sagt sie.

Unter dem Titel „Lebenslinien“ stellen die Künstlerinnen Tanja Konietzko und Bettina von Elm ihre Werke in der Galerie Sandberg, im AWO-Servicehaus Sandberg von Anfang November 2019 bis Januar 2020 aus.

 

 

Bilder Vernissage Lebenslinien