Einmal Zugspitze und zurück

19. Juni 2015

Zum Olympic Day am 23. Juni 2015

Der AWO-Alltags-Trimm-dich-Pfad:
Für mehr Bewegung im Alltag, für mehr Bewegung in der Pflege

Kiel/Norderstedt, 19.6.2015. Ein alter, ungenutzter Fitnessraum im Keller des Servicehauses Schönkirchen hat den Anstoß zu einem neuen landesweiten Projekt der AWO Schleswig-Holstein gegeben, dem AWO-Alltags-Trimm-dich-Pfad. Unter dem Motto „Wer rastet, der rostet“ wurden in zahlreichen der landesweit über 40 Pflegedienste und -einrichtungen der AWO Fitnessparcours mit bis zu zwölf Stationen eingerichtet, um so mehr Bewegung in den Alltag der pflegebedürftigen Menschen zu bringen.

„Der Kellerraum wurde nur noch als Abstellkammer genutzt, aber es standen noch zwei Trimmräder und ein Rudertrainer drin, und da haben wir überlegt: Wer von den Senioren würde sich wohl noch aufs Trimmrad trauen? Und schaffen wir es dann vielleicht sogar, gemeinsam mit allen Mietern, Gästen und Mitarbeitern, die Strecke von Schönkirchen bis zur Zugspitze zurückzulegen?“

Inzwischen ist aus der Idee mit dem Trimmrad eine landesweite Trimm-dich-Pfad-Aktion geworden, und verschiedene AWO-Einrichtungen in Schleswig-Holstein haben einen Parcours mit zwölf Stationen konzipiert. In Norderstedt beispielsweise gehören ein Korb mit Wutbällen zum Kneten, eine Trinkstation, drei Mal Luft holen und Schultern hochziehen vor dem Aufzug, das Anheben eines Bücherstapels in der Bibliothek und ein Fußstepper dazu. Einmal pro Woche trifft sich Ella Derwis, Mitarbeiterin in der sozialen Betreuung, mit bis zu 14 Mieterinnen, um gemeinsam mit ihnen den Parcours zu absolvieren. Unter den Teilnehmenden sind ein Mann und 13 Frauen, darunter auch eine demenziell erkrankte Mieterin und eine Dame, die am Stock geht. „Alle Stationen sind an unsere Zielgruppe angepasst und orientieren sich an Alltagsbewegungen“, erklärt Angela Forray, Einrichtungsleiterin der AWO Norderstedt. Auf einer Stationen-Karte können die Teilnehmenden die einzelnen Stationen abhaken. Diejenigen, die alle Stationen bewältigen, werden beim Sommerfest am 3. Juli mit einer Überraschung ausgezeichnet. Darüber hinaus gibt es bei jeder Station eine Anleitung dazu, was zu tun ist, und eine Information darüber, was die jeweilige Übung im Körper bewirkt.

Auch auf dem Flur der WOHNpflege steht eine Station, der Fußstepper: „Wir haben bewusst nicht nur das Servicehaus, sondern auch die WOHNpflege mit einbezogen, damit auch die pflegebedürftigen Bewohner angeregt werden, sich zu beteiligen“, erklärt Forray. „Wenn dort einmal pro Woche die kleine Trimm-dich-Horde durchs Haus zieht und ihre Übungen macht, dann sorgt das auch für Abwechselung für diejenigen, die dort wohnen, und der Stepper wird von den Bewohnern auch zwischendurch immer wieder benutzt.“ Eine Mieterin hat den gesamten Parcours bereits 16 Mal geschafft.

In Schönkirchen gibt es zwar bislang nur die eine Station. Dort haben Astrid Thams und ihre Kolleginnen aber zusätzlich eine große Deutschland-Karte aufgehängt, für die einige Mieter bereits Urlaubsbilder zur Verfügung gestellt und entlang der Strecke aufgeklebt haben. Harald Kuse (84) kann sich nur mühevoll mit dem Rollator bewegen und benutzt für längere Strecken einen Elektro-Rollstuhl. Doch auch er ist schon ein paar Meter mit dem Trimmrad gefahren und beschwert sich: „Bei meinem Heimtrainer kann man noch die Schwierigkeit einstellen, da fahre ich immer den Berggang. Das geht hier viel zu leicht!“
Die kürzeste bislang gefahrene Strecke beträgt 250 Meter. „Das ist genau die Strecke vom Servicehaus zum Eingang des Sky-Marktes“, sagt Astrid Thams: „Manchmal steht das Trimmrad stundenlang herum und viele machen einen großen Bogen. Aber es gibt auch Tage, an denen jemand auf dem Rad sitzt und sich daneben vier Leute ein heißes Match am Tischkicker liefern, um die Wartezeit zum Fahrrad-Einsatz zu überbrücken, ganz nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles.“ Inzwischen ist zwar der Kilometerzähler kaputt gegangen, aber gefahren wird trotzdem noch und die Kilometerzahl geschätzt. Neumünster ist auf jeden Fall bereits erreicht.

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Hintergrund
Die Trimm-dich-Bewegung geht auf eine durch den Deutschen Sportbund am 16. März 1970 gestartete Krankheitsprävention zurück. Unter dem Motto „Trimm Dich – durch Sport“ wurde mit Unterstützung der Politik, von Krankenkassen und der Wirtschaft dem Übergewicht und den zunehmenden Kreislauferkrankungen der Kampf angesagt. Zudem sollte die in der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft durch das „Wirtschaftswunder“ stark gestiegene Zahl Herzinfarktgefährdeter durch sportliche Betätigung verringert werden. Auch medial wurde auf die Initiative aufmerksam gemacht. Werbespots mit dem Slogan „Ein Schlauer trimmt die Ausdauer“ wurden im Fernsehen geschaltet.
Mit den Olympischen Spielen 1972 erlebte die Trimm-dich-Bewegung einen Boom. 94 Prozent der Bevölkerung und sogar 99 Prozent aller Jugendlichen kannten die Trimm-dich-Aktion. In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden so genannte Trimm-dich-Pfade eingerichtet. Von den in den 1980er-Jahren einst ca. 1500 Anlagen in Deutschland verfielen im Laufe der Zeit zahlreiche, da die Trimm-dich-Pfade aus der Mode kamen und stattdessen das Joggen als Breitensport modern wurde. Im Zuge neuer Modesportarten geriet die Trimm-dich-Bewegung allmählich in Vergessenheit.

Quelle: Wikipedia
Jedes Jahr feiern tausende Menschen rund um den Globus den Olympic Day und erinnern damit an den Gründungstag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den 23. Juni 1894. Er ist eine Initiative des IOC und aller Nationalen Olympischen Komitees, die Bewegung, Fitness und Wohlergehen mit den Olympischen Idealen verbindet.

Kontakt /Ansprechpartnerinnen in der Region

AWO Servicehaus Norderstedt
Angela Forray-Freudenberg
Einrichtungsleitung
Tel. 040 / 52 68 47 13

AWO Service- und WOHNzentrum Schönkirchen
Margrit Hellberg
Einrichtungsleitung
Tel. 0431 / 2091203