Leben mit Demenz: „Unter Tränen gelacht“

9. November 2016

Diskutierten die Zukunft der Pflege: (von links) Jutta Schümann, AWO, Wolfgang Schneider, SoVD, NDR-Moderatorin Bettina Tietjen, Andreas Breitner (Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen), AWO-Landesvorsitzender Wolfgang Baasch und Ursula Engelen-Kefer, SoVD. Foto AWO

500 Besucher*innen kamen zur Veranstaltung „Gemeinsam stark für gute Pflege“ mit einer Lesung von Bettina Tietjen

Kiel. Pflege braucht Profis. Zu diesem Schluss kam auch NDR-Moderatorin Bettina Tietjen, die bei der Abschlussveranstaltung der Kampagne „Gemeinsam stark für gute Pflege“ von AWO und SoVD am Montagabend in der Halle 400 aus ihrem Buch „Unter Tränen gelacht – Mein Vater, die Demenz und ich“ las.

Weil die Altenpfleger*innen uns die anstrengende und teilweise auch unappetitliche Arbeit abnahmen, konnten mein Vater und ich uns wieder anders nähern“, sagte Tietjen, „wir haben in dieser Zeit viel Schmerzhaftes erfahren, aber auch viel gemeinsam gelacht.“

Man müsse sich auf Demenz und auf das Leben mit Demenz einlassen, doch dafür brauche man eben professionelle Unterstützung.

Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz ab Januar

Wie selbstständig kann jemand noch seinen Alltag verbringen? Das ist die zentrale Frage, an der in Zukunft Pflegebedürftigkeit gemessen und durch Leistungen in den neuen Pflegegraden bemessen wird. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) in diesem Jahr wurde das neue Begutachtungsverfahren eingeleitet, das ab 1. Januar 2017 umgesetzt wird. Der Sozialverband Deutschland und die AWO Schleswig-Holstein begleiten die Änderungen durch die Pflegestärkungsgesetze seit Jahren. „Die Umstellung auf Pflegegrade durch das PSG II erleichtert die Erfassung psychischer Beeinträchtigungen“, sagt AWO-Landesvorsitzender Wolfgang Baasch. Dadurch könnten beispielsweise Demenzkranke in der Zukunft häufiger Geld aus der Pflegeversicherung beziehen, „das ist ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit“.

Diskussion weist in die Zukunft

Viele Fragen über die Zukunftsfähigkeit der Pflegeversicherung, zum Fachkräftemangel und zum Thema Altwerden in den eigenen vier Wänden wurden gestern auf dem Podium mit Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer, ehemalige stellvertretende Vorsitzende des DGB und Mitglied im Bundesvorstand des SoVD, Andreas Breitner, Verbandsdirektor im Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen, Wolfgang Baasch, AWO-Landesvorsitzender, Jutta Schümann, AWO Landesvorstand, Wolfgang Schneider, Landesvorsitzender des SoVD Schleswig-Holstein, und Bettina Tietjen diskutiert.