„Man lernt ganz viel von den alten Menschen“

21. März 2018

Dorothea Ulfig (20) - zwei Tage pro Woche ehrenamtlich engagiert im AWO Servicehaus Lübeck

„Zur Zeit sind meine Tage schon ganz schön prall gefüllt“, sagt Dorothea Ulfig: ein Job im Einzelhandel, ein Minijob im Stadtteilcafé der AWO und „nebenbei“ – zwei Tage pro Woche – eine ehrenamtliche Tätigkeit im AWO Servicehaus. „Das erfordert gerade viel Koordination“, so die 20-jährige.

„Aber ich denke immer: Wenn man etwas wirklich möchte, wenn da wirklich das Herz dabei ist, dann bekommt man das auch hin!“.

Während der Job im Einzelhandel vor allem dazu dient, ein mögliches Studium zu finanzieren, sind es die Jobs bei der AWO, die sie erfüllen – und das seit mehr als einem Jahr, als sie im Servicehaus ein Freiwilliges Soziales Jahr begann. Den Tipp, dort anzufragen, hatte sie von ihrem besten Freund bekommen.

„Damals, nach meinem Abi, wollte ich erstmal etwas Soziales machen und wissen, was es überhaupt heißt zu arbeiten“, erzählt Dorothea Ulfig. „Deswegen dachte ich: Ein FSJ ist genau das richtige für mich.“ Schon als Kind hatte sie oft ihrer Mutter, einer Erzieherin, im Kindergarten geholfen: „Die freiwillige Arbeit begleitet mich also quasi schon mein ganzes Leben.“

Trotzdem entschied sie sich im FSJ nicht für die Kinder- und Jugendarbeit, sondern für die Altenpflege: „Ich komme aus einem kleinen Ort in Nord-West-Mecklenburg. Da wohnen viele ältere Menschen und es ist normal, dass man mal ein Pläuschchen mit ihnen hält.“

„Wie eine kleine Familie“

Auch bei der AWO hielt Dorothea Ulfig immer wieder mal ein Pläuschen oder auch ein längeres Gespräch – mit der Pflegedienstleitung, den KollegInnen aus der Verwaltung oder der ambulanten Pflege. Vor allem aber mit den Mietern und Bewohnern des Hauses. „Dadurch, dass wir hier diese Gemeinschaft haben, ist das ganze  Haus wie eine kleine Familie“, beschreibt die junge Frau die Atmosphäre im Haus. „Ich wurde toll aufgenommen und war direkt integriert“, erinnert sie sich an den Beginn ihres Freiwilligendienstes. „Alle haben sich immer viel Zeit genommen, wenn ich eine Frage hatte.“

Besonders schätzt Dorothea Ulfig, dass sie von Beginn an sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten hatte und sehr eigenständig arbeiten konnte – und auch heute noch, nach ihrem FSJ, das in ein Ehrenamt überging, viel Vertrauen entgegen gebracht bekommt: „Wenn ich denke, hier werde ich gebraucht, dann setze ich meine Kraft dafür ein., sei es für eine Vorlesestunde am Sonntag, eine neues Schild am Essenswagen oder die Planung eines Festes. „Ich backe auch total oft“, erzählt sie begeistert. „Aber natürlich weiß ich auch, was einfach dazu gehört und was ich machen muss.“

Zuspruch und Vertrauen

Eine Vergütung dafür gibt es nicht, „außer etwas Spritgeld“, so die 20-Jährige: „Nur den Zuspruch der alten Menschen und ihr Vertrauen.“ Gerade heute, erzählt sie, sei da ein älterer Mann gewesen, der zu ihr gesagt habe: „Sie haben so eine fröhliche, ruhige Art. Das macht große Freude.“

Doch es ist nicht nur diese Art von Zuspruch, die sie erfüllt:

„Man lernt auch ganz, ganz viel, vor allem von den alten Menschen. Ich nehme fast jeden Tag etwas zum Nachdenken mit nach Hause. Deshalb bin in vielen Bereichen einfach viel reifer und weiter als andere in meinem Alter.“

Inzwischen möchte Dorothea Ulfig gar nicht mehr unbedingt studieren: „Weil ich arbeiten total klasse finde. Gerade bei diesem Beruf weiß man am Ende des Tages einfach, was man gemacht hat.“

Wenn sie sich irgendwann doch für ein Studium entscheidet, dann für „irgendwas in Richtung Lehramt oder auch ein duales Studium Pflege.“ Und dann, weiß sie, „wird mir der Abschied von der AWO ganz schön schwer fallen.“