Bei ruhigem Wetter kann jeder leicht Steuermann sein

28. April 2017

Christiane Hillmer

Ähnlich wie der Steuermann das Schiff bei jeder Wetterlage unversehrt über das Wasser befördern muss, bin ich als Einrichtungsleitung dafür verantwortlich, meine Mitarbeiterinnen in der täglichen Arbeit zu begleiten, sie durch hohe Wellengänge zu führen oder bei schwierigen Windverhältnissen zum richtigen Ziel zu geleiten und ihnen bei Flaute zusätzlichen Rückenwind als Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Die AWO Schleswig-Holstein hat schon früh Führungsgrundsätze formuliert, nach denen auch alle Leitungskräfte der AWO Pflege handeln.

Kooperativ und kollegial

Wir führen kooperativ, arbeiten unabhängig von Qualifikation und Funktion kollegial zusammen und achten den Umgang miteinander. Denn erfolgreiche Arbeit ist nur im Team zu verwirklichen. Führung bedeutet aber auch, Raum für Kreativität und Veränderung zu geben und gemeinsam Ziele zu vereinbaren. Dies erfolgt in Qualitätszirkeln, in Teamsitzungen oder Mitarbeiterjahresgesprächen. Die Dokumentation pflegerischer Arbeit, die Aktenführung und ihre Aktualisierung binden täglich sehr viel Zeit. Da war der Vorschlag einiger Mitarbeiterinnen, durch einfache Umorganisation einen neuen Dienst einzuführen, richtig gut. Dadurch konnten die Wohnbereichsleitungen Zeit gewinnen, um die Akten zu prüfen oder Fallbesprechungen durchzuführen. Der Dienst wird jetzt an jedem Mittwoch in der Woche geplant, so dass an diesem Tag zusätzliche Zeit für diese Arbeiten ist.

Verantwortung übernehmen

Die Führungsgrundsätze helfen mir, meinen Mitarbeiterinnen gegenüber klare Anforderungen zu formulieren. Sie wissen deshalb genau, was ich von ihnen verlange. Die Führungsgrundsätze bilden in meinem täglichen Handeln den roten Faden und geben hierfür eine Richtung. Denn in meiner Position als Einrichtungsleitung muss ich Verantwortung übernehmen, bin Vorbild und muss Maßstäbe setzen. Ich kann von meinen Mitarbeiterinnen nichts verlangen, was ich nicht auch von mir verlangen würde. Und ich muss für meine Mitarbeiterinnen da sein, darf sie nicht zu sehr in ihrem Aufgabenbereich einschränken und muss ihnen angemessenen Freiraum zum Handeln einräumen.
Fühlt sich ein Kunde nicht adäquat versorgt und beschwert sich direkt bei den Mitarbeiterinnen, versuchen diese immer zuerst, das Problem eigenständig zu lösen. Wenn sie zu keinem Ergebnis mit dem Kunden kommen, schalten sie mich ein. Mich interessiert dann die Meinung aller Beteiligten: Vom Kunden über den Angehörigen bis hin zu meinen Mitarbeiterinnen. Ich vermittle dann aktiv, so dass wir häufig im Anschluss ein für alle Beteiligten annehmbares Ergebnis erzielen können. Und wenn dies nicht zustande kommt, erwartet man von mir eine Entscheidung – und die kann man auch erwarten.

Der richtige Weg

Unsere Mitarbeiterinnen haben eine Leitung, die als Steuermann fungiert und zeigt, wo der richtige Weg langführen soll. Den Weg beschreiten sie selbst, mit mir als Steuermann im Hintergrund, an den sie sich wenden können, wenn sie an einer Abbiegung nicht wissen, ob nach links oder rechts. Ähnlich ist es, wenn es darum geht, die Qualität in unseren Einrichtungen zu beschreiben. Ich spreche nicht über unsere Mitarbeiterinnen und Kunden, sondern lasse sie selbst über das Leben und Arbeiten in unserem Haus sprechen, wie zum Beispiel in unserer Kundeninformation: Ehrlich und offen, mit Humor und kritischem Blick. Nur so kann ich vertrauensvoll zusammenarbeiten. Und dabei auch von ihnen lernen. Das ist unser Verständnis von Führung. Zeitnah gebe ich den Mitarbeiterinnen Rückmeldung zu ihrem Tun, zeitnah möchte ich Rückmeldungen von ihnen haben. Und ich nehme sie ernst. Wir sind für eine ganzheitliche Versorgung unserer Kunden zuständig. Und das geht nur gemeinsam – im Team.

Christiane Hillmer, Regionalkoordinatorin der AWO Pflege, Region Süd-Ost