Das willst du wirklich machen?

31. März 2017

Auftaktveranstaltung der Kampagne "Wir stricken an der Zukunft der Pflege". Von links: Michael Selck, Heide Simonis und Prof. Bernd Schwichtenberg

„Anstrengend, belastend, schlecht bezahlt und dann auch noch dieser Schichtdienst – das willst du wirklich machen?“ Junge Menschen, die vor der Ausbildungswahl stehen, werden selten ermutigt, in die Altenpflege zu gehen. „Ein Grund dafür ist, dass das Bild der Altenpflege vor allem durch mangelndes Wissen und Angst vor dem Altern geprägt ist“, meint Uwe Braun, Leiter des Bereichs Pflege bei der AWO Schleswig-Holstein.

Zudem stand in den vergangenen Jahren nur eine begrenzte Anzahl landesgeförderter Ausbildungsplätze zur Verfügung. Und diese Plätze waren häufig bereits Anfang eines Jahres vergeben, obwohl die Ausbildung meist erst im Oktober beginnt. Wer später kam, musste zahlen – 290 Euro monatliches Schulgeld, drei Jahre lang.

Um das zu ändern, hat die AWO 2011 die Kampagne„Wir stricken gemeinsam an der Zukunft der Pflege“ gestartet. Unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis und gemeinsam mit vielen Prominenten, den AWO Mitgliedern, den Integrationscentern, den Kindern und Jugendlichen in den AWO KITAS, Betreuten Schulen und dem Jugendverband der AWO haben wir ein Jahr lang an der Zukunft der Pflege gestrickt, gehäkelt und genäht, an über 40 Standorten der AWO und auf  Online-Marktplätzen. Das Ergebnis hat überzeugt, auch die Landesregierung, die 400 zusätzliche Schulplätze geschaffen hat! Vier weiteren jungen Menschen konnte die AWO dank der Spendengelder der Kampagne einen Platz zur Verfügung stellen, so wie der 23-jährigen Rumänin Carmen Catalin.

Ein gutes Gefühl“

Um das Bild der Altenpflege in der Öffentlichkeit zu ändern, haben wir aber auch unsere Mitarbeiterinnen und Auszubildenden gefragt: „Was hat dich motiviert, in die Altenpflege zu gehen? Und was hat sich nach den ersten Praxiserfahrungen an deiner Einstellung geändert?“, so Gitta Doege, Leiterin der Kieler Servicehäuser der AWO. Mit ihren Antworten räumen die Befragten mit zahlreichen Vorurteilen auf über den Beruf, der „viel mehr ist als nur Toilettengänge“ (Yvonne Bartels) und einem Mann in der Pflege „ein gutes Gefühl“ gibt (Stephan Fleischmann).

Die Aussagen der beiden und vieler anderer sind eindeutig: Der Beruf der Altenpflegerin, so die Auszubildenden, ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und sinnstiftend. Er erfordert Einfühlungsvermögen, Selbstständigkeit und Verantwortung – und bringt viele Glücksmomente.

Viele Qualifikationen und Herkunftsländer

Doch gibt es in den Diensten und Einrichtungen der AWO nicht nur Altenpflegerinnen, sondern viele weitere spannende Ausbildungsangebote und Aufgabenbereiche und Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen und Herkunftsländern: So absolvierte Lena Klindt ihre Ausbildung zur Bürokauffrau, in einer Küche bilden wir vier Köchinnen aus, und in einer Tagespflege hat gerade ein angehender Hauswirtschafter seine Ausbildung begonnen. In den Stadtteilcafés kann man eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe, Schwerpunkt Service, machen. Und wer studiert hat, kann wie Sozialpädagogin Nadine Bigon im AWO Servicehaus Boksberg ein Anerkennungsjahr machen. Aber auch in den ambulanten Pflegediensten, WOHNpflegen und Kurzzeitpflegen gibt es viele Ausbildungsangebote für junge Menschen. Und allen, die erst mal nur reinschnuppern möchten, gibt das Freiwillige Soziale Jahr einen interessanten und abwechslungsreichen Einblick in das vielfältige Berufsfeld Pflege.