Mit Augenmaß handeln

26. April 2017

Susanne Eberlien

Frau Eberlien, wozu gibt es bei der AWO eine Schwerbehindertenvertretung? In Betrieben, in denen mindestens fünf schwerbehinderte Menschen dauerhaft beschäftigt sind, wählen diese eine Vertrauensperson, an die sie sich in Angelegenheiten, die ihre Behinderung betreffen, wenden können. Bei der AWO Pflege arbeiten zurzeit 53 schwerbehinderte Mitarbeiterinnen, von denen ich 2010, ähnlich wie der Betriebsrat, zu ihrer Vertrauensperson gewählt wurde. Grundlage für diese Wahl sind die §§93 ff. SGB IX zur Rehabilitation und Teilhabe.

Welche Aufgaben haben Sie als Vertrauensperson? Allgemein berate ich alle Menschen mit einer schweren Behinderung in unserem Unternehmen, beispielsweise dahingehend, wie ihr Arbeitsplatz am besten gestaltet werden sollte oder auch, wenn ihre Behinderung noch nicht anerkannt ist. Dann unterstütze ich sie zum Beispiel dabei, einen Antrag auf Schwerbehinderung oder einen Gleichstellungsantrag zu stellen. Das Ganze unterliegt natürlich der Schweigepflicht und ich bin jederzeit für die Kolleginnen erreichbar. Da es sich bei meiner Tätigkeit um ein anerkanntes Mitbestimmungsinstrument handelt, werde ich – in Abstimmung mit dem Betriebsrat – von der AWO gesondert angehört und beispielsweise auch beim betrieblichen Eingliederungsmanagement beteiligt.

Wie sieht diese Unterstützung denn konkret aus? In Wedel beispielsweise musste kürzlich ein Büroarbeitsplatz an Einschränkungen einer schwerbehinderten Mitarbeiterin angepasst werden. Dabei habe ich in Erfahrung gebracht, dass das Integrationsamt in Neumünster für die Region einen Tischler beschäftigt, der fachlich die Anpassungsmaßnahmen unterstützt. In anderen Fällen kann manchmal in den Dienstplänen berücksichtigt werden, dass Einschränkungen zum Beispiel zu anderen Dienstintervallen führen. Auch darum kümmere ich mich.

Gibt es bei der AWO außer in der Verwaltung auch Schwerbehinderte, die in der Pflege arbeiten? Selbstverständlich. In Kiel beispielsweise arbeitet eine Kollegin mit einem künstlichen Handgelenk. Gemeinsam mit ihren Vorgesetzten haben wir vereinbart, dass sie weitgehend in der Pflege eingesetzt wird, bei älteren Menschen allerdings keine Kompressionsstrümpfe mehr an- und ausziehen muss, weil sie das nicht hinbekommt.

Was ist, wenn Mitarbeiterinnen während ihrer Tätigkeit bei der AWO schwer erkranken und in ihrem Tätigkeitsbereich nicht mehr voll einsetzbar sind? Soweit dies sinnvoll und vertretbar ist, setze ich mich dafür ein, dass die neuen, besonderen Bedarfe der Mitarbeiterinnen am Arbeitsplatz Berücksichtigung finden. Nicht immer, aber oft, können wir so ansonsten notwendige Kündigungen verhindern. Allerdings setzt dies auch voraus, dass die Betroffenen weiter arbeiten wollen und sich – mit ihren Möglichkeiten – auch am Arbeitsplatz engagieren. In Lauenburg zum Beispiel begleite ich eine Mitarbeiterin, die nach einer Erkrankung nicht mehr als Präsenzkraft in der Pflege arbeiten kann. Gemeinsam mit der Leitung haben wir hier eine Lösung gefunden, wie sie im hauswirtschaftlichen Bereich mit reduzierter Stundenzahl weiter arbeiten kann.

Fragen an Susanne Eberlien, Pflegehelferin und Vertrauensperson für die schwerbehinderten Mitarbeiterinnen im Unternehmensbereich Pflege

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