Tanz zwischen den Welten

8. Februar 2017

Renate Rüß ist Qualitätsbeauftragt in den Kieler Servicehäusern der AWO

Nach welchen Konzepten und Standards wird gearbeitet?

Für viele verschiedene Arbeitsbereiche haben wir Konzepte, zum Beispiel für die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen solche, die unsere Herangehensweise bei der Pflege und Betreuung beschreiben. Darin aber auch stecken nicht nur unsere Haltung, unser Selbstverständnis und unsere Philosophie. Viele Konzepte und beschreiben sehr konkret, was in welchem Fall zu tun ist. So enthält beispielsweise das Eingewöhnungskonzept einen Fragebogen, mit dem geprüft werden kann, ob die neue Kundin sich wohl fühlt.

Neben unseren eigenen Vorstellungen prallen aber auch die Anforderungen aus anderen Welten auf unsere Arbeit. Da fordert das Gesundheitsamt ein Hygienekonzept, der MDK möchte ein Pflege- und Betreuungskonzept sehen – und natürlich haben auch alle anderen Akteure auf der „Bühne Pflege“ ihre Vorstellungen davon, was inhaltlich abgebildet sein muss.

Damit unsere Mitarbeiterinnen den Überblick über diese verschiedenen Bühnenbilder nicht verlieren, hat jede Einrichtung all diese Dinge sortiert. Bei uns in den Kieler Servicehäusern haben wir alles im so genannten “Grünen Ordner“ zusammengestellt. Damit ihn alle Mitarbeiterinnen nutzen können, gibt es ihn als Papier- und als EDV-Version. Er ist also die literarische Vorlage, auf der das Zusammenspiel aller Akteure beruht.

Der „Grüne Ordner“

Da wir mehrere Abteilungen haben, deren Mitarbeiterinnen verschiedene Standards, Formulare und Listen benötigen, gibt es außer dem Grünen Ordner auch

  • das Pflegehandbuch mit Pflegestandards, Checklisten, Informationen für alle Mitarbeiterinnen der Pflege und Betreuung. Hier finden sich unsere Versionen der Expertenstandards, Verfahrensanweisungen zum Umgang mit Medikamenten, Pflegevisitenunterlagen, Dokumentationsformulare
  • Fachliteratur, aus der wir allgemeingültige Standards wie zum Beispiel für Verbände nutzen
  • den Blauen Ordner, der Formulare enthält, die von den Leitungen und den Mitarbeiterinnen der Verwaltung genutzt werden.

Standards als Drehbücher

Was uns besonders hilft, uns auf der „Bühne Pflege“ richtig zu bewegen, sind unsere Drehbücher, die Standards. Sie stellen dar, was für die tägliche Arbeit sinnvoll und umsetzbar ist.

Allerdings ist ein Theaterstück immer nur so gut wie seine Akteurinnen. Der Text muss gelernt sein – er ist die Basis des Bühnenstücks. Das Spiel aber lebt vom Moment, der Situation und dem Miteinander aller Mitwirkenden, den professionellen Pflegekräften in den Hauptrollen ebenso wie den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, Auszubildenden oder Praktikantinnen. Und es ist an ihnen, die Konzepte und Standards immer wieder an neue Erkenntnisse und Gegebenheiten anzupassen. Wir sind froh, dass viele Mitarbeiterinnen Anregungen und Vorschläge anbringen. Sie zeigen uns, dass die Standards bekannt sind und genutzt werden und dass unsere Mitarbeiterinnen aus ihrer täglichen Arbeit heraus Verfahren beurteilen und verbessern können.

Denn sie wissen: Die Instrumente sind nicht Selbstzweck, sondern sie sind vor allem für einen geschrieben: das Publikum, unsere Kunden. Das Drehbuch kann noch so genial sind: Das Stück kommt nur dann beim Publikum an, wenn die Akteure das Drehbuch verinnerlicht haben und bei der Umsetzung in ständigem Kontakt zum Publikum stehen.

Renate Rüß, Qualitätsbeauftragte der Kieler Servicehäuser