Von der Pike auf

5. April 2017

Yvonne Martini

Frau Martini, wo und wie haben Sie das gelernt, was Sie heute für Ihre Aufgabe als Führungskraft brauchen?
Viel davon habe ich seit 1997 bei der AWO aus der Praxis heraus vermittelt bekommen: Überlegen, Informationen einholen, ausprobieren, korrigieren, im Team arbeiten, Verantwortung übernehmen – so habe ich es damals von meinen „Chefs“ gelernt und so gehe ich auch heute meine Aufgaben als Leiterin des Servicehauses Ellerbek an. Mit heutigen Worten würde man meine ersten Jahre bei der AWO wohl als Trainee-Programm bezeichnen. Ich sage, ich habe meine Tätigkeit als Leitung von der Pike auf gelernt.

Und was haben Sie für Ihre Aufgaben bei der AWO damals selbst mitgebracht?
Meine Ausgangsqualifikation war ein Studium der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule in Kiel. Außerdem habe ich während des Studiums vier Jahre als Schwesternhelferin in der ambulanten Pflege gejobbt: Schon damals war ich einmal in der Woche im Treffpunkt, der Tagespflege im Servicehaus Mettenhof in Kiel, und habe dann auch gleich mein 6-Wochen-Praktikum und das Anerkennungsjahr dort gemacht.

Was hat Ihnen dieser Nebenjob gebracht?
Der Kontakt zu den Tagespflege-Gästen und die enge Absprache mit den Mitarbeiterinnen aus der sozialen Betreuung waren wichtige Erfahrungen für mich, die mir noch heute manchmal helfen, die Mitarbeitersicht besser zu verstehen.

Wie haben Sie in Ihrer Anfangszeit als Mitarbeiterin denn das Verhältnis zu den Führungskräften empfunden?
Ich selbst habe damals vor allem von der langen Erfahrung eines Kollegen, einem Psychologen, profitiert, mit dem ich neben Aushilfszeiten im Sekretariat am Thema Qualität und an neuen Konzepten gearbeitet und neue Mitarbeiterinnen geschult habe. Außerdem durfte ich schon früh bei Beratungen von Kunden durch Führungskräfte hospitieren und auch in diesem Bereich nach und nach Verantwortung übernehmen oder im Stadtteilcafé kulturelle Angebote organisieren. Der Strauß an Einblicken und Erfahrungen, die mir die Führungskräfte gewährt haben, war groß, und gerade im Rückblick weiß ich diese Vielfalt besonders zu schätzen.

Das klingt nach viel Praxis. Wie war’s denn mit der Theorie?
In der Praxis habe ich vor allem den Umgang miteinander verinnerlicht. Aber auch in der Theorie haben mich meine Vorgesetzten unterstützt, und ich konnte meine praktischen Erfahrungen durch eine Weiterbildung in Gerontopsychiatrie ergänzen. Das war bei meiner Ausbildung an der FH etwas zu kurz gekommen.

2004 sind Sie dann ins Servicehaus Ellerbek gegangen, als Leiterin. Wie gut waren Sie darauf vorbereitet?
Mit den Erfahrungen und Kontakten aus meiner „Mettenhof-Zeit“ war ich gut gerüstet und in der Lage, mich der neuen Verantwortung, die ich für Kunden und Mitarbeiterinnen trage, zu stellen und hineinzuwachsen. Geholfen hat mir auch ein Seminar am Bildungszentrum Preetz für Leitungsmitarbeiterinnen: Gesprächsführung, Verhalten in Konfliktsituationen, Arbeitsorganisation und Zeitplanung sind nur einige Punkte, die dort aufgegriffen wurden. Ich denke, dass auf meinem Berufsweg die Mischung gestimmt hat: Theoretischer Hintergrund und Fachlichkeit gepaart mit praktischer Erfahrung, Anleitung und Begleitung.