Wenn´s wirklich mal darauf ankommt …

15. März 2017

Christine Lamp-Reinhold mit Hertha Strangulis

An einem Freitag im Frühjahr rief mich mein Kollege Jordan Gramov im Dienst ans Telefon. Am anderen Ende war die Augenarztpraxis meines Vaters, und man teilte mir mit, dass er umgehend für eine Not-OP nach Kiel gefahren werden müsse. Was tun? Meine Eltern wohnten nur ein paar hundert Meter von mir entfernt und ich half fast täglich bei Kleinigkeiten aus. Doch bisher kamen sie im Großen und Ganzen gut zurecht. Seit meine Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte, war sie halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr sprechen und wurde von meinem Vater zuhause versorgt – ein eingespieltes Ehepaar.

Doch jetzt saß ich im Zwiespalt: Ich wusste, dass wir knapp besetzt waren. Aber ohne intensive Unterstützung würde meine Mutter nicht alleine zurecht kommen und als Tochter vor Ort gab es für mich keine andere Möglichkeit: Ich musste die Versorgung meiner Mutter übernehmen. Aber ich konnte doch nicht einfach von meiner Arbeit weglaufen?!

„Das kriegen wir irgendwie hin!“

Aufgeregt sprach ich mit den Kolleginnen im Servicehaus, und sie beruhigten mich: „Das kriegen wir irgendwie hin“. Jordan Gramov und Katrin Spitzka kümmerten sich um Ersatz für mich und regelten sowohl meinen Wochenenddienst als auch die folgenden Arbeitstage, bis sich die Situation normalisiert hatte. Ich durfte gleich von der Arbeit los, brachte meinen Vater nach Hause, der nichts sehen konnte, packte seine Sachen für Kiel und blieb die nächsten Tage bei meiner Mutter.

Als mein Vater nach einer Woche zurückkam, konnte das Leben für ihn und meine Mutter wieder in den gewohnten Bahnen verlaufen und ich war wieder in der Lage, meine Arbeit aufzunehmen – mit der guten Erfahrung: Jeder springt für jeden mal ein.

Christine Lamp-Reinhold, Pflegehelferin im Servicehaus Eckernförde