Wiedereinstieg in kleinen Schritten – BEM soll helfen

10. April 2017

Christine Paulsen

Das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) verfolgt das Ziel, eine Arbeitsunfähigkeit unserer Mitarbeiterinnen zu überwinden, einer erneuten Erkrankung vorzubeugen und im Einzelfall auch den Arbeitsplatz zu erhalten. Das BEM ist eine Aufgabe des Arbeitgebers auf der Grundlage des 9.Sozialgesetzbuches zur Rehabilitation und Teilhabe. Es wird jeder Mitarbeiterin angeboten, die im Laufe eines Jahres länger als sechs Wochen erkrankt ist, egal ob ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig.

Für die AWO Schleswig-Holstein haben Betriebsrat und Geschäftsführung eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die die Umsetzung in unseren Betrieben und Einrichtungen regelt. Für die Pflege arbeiten Leitung und Betriebsrat des Unternehmensbereiches eine Ergänzung hierzu aus. Es ist das gemeinsame  Ziel, den betroffenen Kolleginnen in den Pflegebetrieben eine möglichst zeitnahe Ansprache und Unterstützung anzubieten.

Ich bin 45 Jahre alt und arbeite seit 20 Jahren in der Pflege.  2007 begann ich im Servicehaus Fruerlund als Nachtwache zu arbeiten – bis ich Anfang 2012 die Diagnose Brustkrebs erhielt. Von jetzt auf gleich musste ich eine umfangreiche Behandlung mit vielen Aufs und Abs über mich ergehen lassen. Während dieser Zeit hielt ich, wann immer ich konnte, Kontakt zu meinen Vorgesetzten und Kolleginnen. Es tat mir gut, von ihrem Arbeitsalltag zu hören und mal nicht an meine Krankheit zu denken. Aber auch, wenn ich über meine Situation reden wollte, fand ich immer jemanden, der mir zuhörte.

Schon während der Behandlung wurde mir klar, dass ich mir eine neue berufliche Perspektive schaffen musste. Zunächst entschied ich, nicht mehr im Nachtdienst zu arbeiten, und teilte meinen Vorgesetzten diesen Wunsch schon in einer frühen Phase meiner Erkrankung mit. Bereits damals versicherten sie mir, dies möglich zu machen, sobald ich wieder fit wäre. Nach Therapieende und einer viermonatigen Erholungsphase konnte ich im März 2013 wieder arbeiten. Darüber war ich sehr glücklich.

Um mich langsam wieder an das Berufsleben zu gewöhnen, arbeitete ich nach dem Hamburger Modell. Innerhalb von sechs Wochen wurden meine täglichen Arbeitsstunden in kleinen Schritten erhöht: erst zwei, dann vier, dann sechs Stunden. Dabei konnte ich den Stundenzuwachs und die Arbeitszeiten selbst gestalten und wurde nicht als Fachkraft eingeteilt. Auch bei den Dienstplanbesetzungen wurde ich nicht mitgezählt. So hatte ich die Möglichkeit, mich völlig ohne Druck einzugewöhnen.

Auch jetzt noch berücksichtigen meine Vorgesetzten meine körperlichen Einschränkungen bei der Gestaltung des Dienstplans, bis ich körperlich wieder ganz fit bin.

Christine Paulsen, Altenpflegerin, Servicehaus Fruerlund