„Mit mehr Sinn“ macht dritten Platz beim Altenpflegepreis in Kiel

6. Dezember 2019

AWO Vorstandsvorsitzender Michael Selck, Schleswig-Holsteins Sozialminister Dr. Heiner Garg, Beatrice Richly, Einrichtungsleiter Uwe Schneider, Sophia Reimer, Gesamtleiterin der Kieler Servicehäuser Birgit H.E. Walkenhorst.

Projekt zur Integration einer gehörlosen Mitarbeiterin in der Pflege überzeugt Jury

Sophia Reimer ist von Geburt an gehörlos und die Gebärdensprache ist ihre Muttersprache. Im Rahmen des Projekts „Mit mehr Sinn“ der AWO Pflege Schleswig-Holstein im AWO Servicehaus am Wohld in Kiel hat sie eine einjährige Ausbildung als Altenpflegehelferin (APH) an der Gehörlosenfachschule in Rendsburg (IBAF) abgeschlossen. Für diese Idee erhielt die AWO Pflege am Freitag den dritten Platz (1000 Euro) beim Altenpflegepreis in Kiel. Das Land Schleswig-Holstein verleiht jedes Jahr in Kooperation mit dem Landespflegeausschuss den Schleswig-Holsteinischen Altenpflegepreis, den Sozialminister Dr. Heiner Garg im Landeshaus übergeben hat. Der erste Preis ist mit 3000 Euro dotiert.
Das ist eine tolle Anerkennung für die Arbeit der Pflegekräfte der AWO und ein wichtiges Zeichen für die Zukunft: Der Pflegeberuf kann Inklusion leisten, wenn für vernünftige und gute Rahmenbedingungen gesorgt wird“, sagt der Vorsitzende des Präsidiums der AWO Wolfgang Baasch.

 Begründung der Jury

Die Jury sagte zur Begründung: Das AWO Servicehaus habe mit der Integration einer gehörlosen Mitarbeiterin gezeigt, wie offene und solidarische Unternehmenskultur auf betrieblicher Ebene funktionieren könne. Das Team und die neue Mitarbeiterin habe sich eindrucksvoll den täglichen Anforderungen gestellt und gemeinsam Verständigungswege entwickelt. Schwächen würde man so durch Stärken kompensieren. Das Projekt zeuge von großem Engagement aller Beteiligten und dem Willen, die neue Mitarbeiterin in ein Berufsfeld einzuarbeiten, welches von der Kommunikation lebe. So würde das Team eingefahrene Arbeitsweisen hinterfragen, neue Wege einschlagen und gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahmen wecken. Die Jury war sich darin einig, dass das Projekt zur Nachahmung anrege (Ansprechpartner zum Projekt: Uwe Schneider, Tel.: 0431/53590-0).
Die hohen Anforderungen an die Pflege werden mit großartigem Engagement täglich im ganzen Land mit Leben erfüllt. Das gelingt mit Hingabe, Professionalität und innovativen Ideen. Diese wollen wir mit dem Altenpflegepreis sichtbar machen. Die eindrucksvollen Praxisbeispiele sind nicht nur vorbildlich, sondern zeigen auch die große Bandbreite der Arbeit in der Pflege. Mein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten und besonders allen Pflegekräften in Schleswig-Holstein für ihren Einsatz!
Sozialminister Heiner Garg
Für die Beteiligten war es zunächst ein Versuch, der Mut gekostet hat. Doch schon bald lief der Alltag gemeinsam mit Sophia Reimer sehr gut. Die Verständigung mit den Kolleg*innen erfolgt über Zeichensprache, schriftliche Notizen oder das Lippenlesen. Ihre sensible Beobachtungsgabe ermöglicht es ihr zudem, die Bedürfnisse der Senior*innen schnell und gezielt wahr zu nehmen. Besonders für eher zurückgezogene Bewohner*innen ist diese Art des Umgangs ein wertvoller Zugewinn und ermöglicht einen schnellen und vertrauten Zugang. Das Projekt zeigt vorbildhaft, wie Inklusion und Teilhabe gelingen. Das Engagement für Partizipation gehört zu den Markenzeichen der AWO. „Wir freuen uns über die Wertschätzung der Arbeit der Kolleg*innen. Die AWO setzt sich für die Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft ein. Diesen Grundsatz greift das Projekt ideal auf“, sagt AWO-Vorstandsvorsitzender Michael Selck.

Über die AWO Pflege Schleswig-Holstein

Die AWO Pflege ist ein Unternehmensbereich der AWO Schleswig-Holstein gGmbH. Rund 1.500 Mitarbeiter*innen pflegen, beraten und begleiten alte und pflegebedürftige Menschen an mehr als 40 Standorten in Schleswig-Holstein: in ambulanten Pflegediensten, Servicehäusern und Hausgemeinschaften, in Einrichtungen der WOHNpflege, mit Angeboten zur Urlaubs-, Tages- und Kurzzeitpflege und dem Sozialruf. Sie helfen bei den alltäglichen Verrichtungen, unterstützen, wenn Fähigkeiten eingeschränkt sind, und sorgen für Selbständigkeit, wo das Leben durch Krankheit und Alter beeinträchtigt ist. Gemeinsam mit mehr rund 16.500 AWO-Mitgliedern in Schleswig-Holstein engagieren sie sich für eine sozial gerechte Gesellschaft.

Weitere Nominierung für „Im Alter i(s)st man anders“

Auch das Projekt „Im Alter i(s)st man anders“ an dem die AWO Pflege beteiligt ist, erhielt eine Nominierung. Es macht auf das Thema gesunde Ernährung im Alter aufmerksam, informiert Senior*innen über gesunde Ernährung und gibt Hilfestellungen beispielsweise beim Einkaufen der Lebensmittel.