Pflegen, dort wo die Menschen leben

20. Juni 2016

Gemeinsam für gute Pflege auf See: Uwe Braun, AWO-Fachbereichsleiter Pflege, Hildegard Entzian, Referatsleiterin Pflege im Sozialministerium Schleswig-Holstein, Prof. Sascha Köpke vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität Lübeck, AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck und Andreas Mundt, Flensburger Arbeiterbauverein (von links). Foto AWO

AWO Schleswig-Holstein fordert, die Kommunen stärker einzubinden

Kiel. In Schleswig-Holstein leben fast 90.000 pflegebedürftige Menschen. Davon werden weit mehr als die Hälfte zu Hause, fast 40 Prozent stationär in Pflegeeinrichtungen versorgt. In den nächsten zehn Jahren soll ihre Zahl um 40 Prozent steigen, in den nächsten 20 Jahren wird sie sich vermutlich verdoppeln. „Die Fakten liegen auf dem Tisch, die Probleme bei der Versorgung sind nicht erst seit der medialen Berichterstattung evident“, sagt AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck. „Doch wir warten noch auf die richtigen Antworten aus der Politik.“ Während der Johannefahrt zum Thema „Gemeinsam stark für gute Pflege“ wurde unter anderem die Kritik am Entwurf für das Pflegestärkungsgesetz III (PSG III) unüberhörbar.

Altenhilfe kann keine kommunale Option sein

Die Verantwortung der schleswig-holsteinischen Kommunen ist gefragt: Altenhilfe ist mehr als Pflegebedarfsplanung. Es ist die Frage danach, wie diese Gesellschaft älter werden möchte. „Die AWO begrüßt die grundsätzliche Intention des Bundesgesetzgebers, mit dem PSG III die Verantwortung der Kommunen in der Pflege zu stärken“, so Selck. Schließlich könne nur eine wohnortnahe, aufeinander abgestimmte und miteinander verzahnte Beratungs-, Versorgungs- und Unterstützungslandschaft pflegebedürftigen Menschen einen möglichst langen Verbleib im vertrauten Umfeld und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. „Ein konsequenter weiterer Schritt muss es demnach sein, die Altenhilfe von einer freiwilligen Leistung zu einer Pflichtaufgabe werden zu lassen.“

AWO Quartiersentwicklungsprojekte macht Pflege am Wohnort möglich

Ziel ist es, ein Quartier so weiterzuentwickeln, dass ältere und andere unterstützungsbedürftige Menschen so lange wie möglich gut versorgt in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Immer mehr Menschen mit Pflege- und Hilfebedarf haben immer weniger Unterstützung durch ihre Familie, sei es aufgrund des räumlichen Abstands, der beruflichen oder der sonstigen familiären Belastung. „Daher muss es die gemeinsame Aufgabe der Kosten- und Leistungsträger sein, im Bereich der Quartiersentwicklung neue Potentiale zu erschließen und zu vernetzen“, sagt Uwe Braun, Leiter des Unternehmensbereichs Pflege der AWO Schleswig-Holstein. Professionelle, familiäre und freiwillige nachbarschaftliche Hilfen und Angebote müssen aufeinander abgestimmt, weiterentwickelt und koordiniert werden. „Langfristig wird es nicht möglich sein, dass sich ein Wohlfahrtsverband alleine dem Thema Pflegebedarf am Wohnort annimmt“, so Braun.

Bedarf an barrierefreiem Wohnraum steigt konsequent

Menschen möchten auch im Alter so lange wie möglich in ihrer gewohnten und vertrauten Umgebung bleiben. Die Zusammenarbeit der AWO Schleswig-Holstein mit der Wohnungswirtschaft ist an vielen Orten im Land sehr gut: „In Kooperation beispielsweise mit dem Selbsthilfebauverein und dem Flensburger Bauverein, die uns die Gebäude zur Verfügung stellen“, sagt Geschäftsführer Michael Selck, „betreiben wir als professioneller Wohlfahrtsverband die Flensburger Servicehäuser, erbringen die pflegerische Leistung und sorgen dafür, dass auch Menschen mit Pflegebedarf bei uns gut älter werden können.“ Dennoch bleibt die Forderung nach barrierefreiem, generationengerechtem und bezahlbarem Wohnraum bestehen, so dass Menschen mit Pflegebedarf nicht zwingend aus ihrer gewohnten Umgebung wegziehen müssen. Auch hier sind die Kommunen im Land in der Verantwortung: Sie könnten den Wohnungsbauunternehmen Bauland günstig zur Verfügung stellen, wie die Hansestadt Lübeck vor Kurzem mit der geplanten Einführung einer Verbilligungsrichtlinie zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus auf städtischen Grundstücken vorgemacht hat.

Im Übrigen fordert die AWO Schleswig-Holstein weiterhin den Branchentarifvertrag Soziales für Pflegeberufe, die Ausgestaltung der Pflegeversicherung als nachhaltig finanzierte, solidarische und paritätische Bürgerversicherung sowie eine zukunftsfähige Reform der Pflegeberufe.

Eindrücke der Johanne-Fahrt - vormittags

Eindrücke der Johanne-Fahrt - nachmittags