„Unkraut vergeht nicht“

1. Juni 2015

Betreuerin Annette Sternberg und Bewohnerin Ruth Becker im Sinnesgarten in Lensahn

Zum Tag des Gartens am 7. Juni 2015

Damit das Älterwerden gelingt, ist die Gartenarbeit fester Bestandteil des Alltags in den AWO-Einrichtungen im Land

Kiel/Flensburg/Lensahn, 1. Juni 2015. Gemeinsam graben, säen, pflanzen, ernten und kochen: Damit das Älterwerden gelingt, ist die Gartenarbeit ab sofort wieder fester Bestandteil des Alltags in den AWO-Einrichtungen im Land. Am 16. Juli 2015 findet im AWO Servicehaus Friesischer Berg in Flensburg ein Aktionstag mit Gartenfest statt.
„Frische Luft und das Verweilen und Arbeiten im Garten gehören häufig zur Biografie der älteren Menschen in unseren Einrichtungen und Diensten, und der Garten ist deshalb weiterhin fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen, die bei uns leben, sei es als Ort der Begegnung und des Feierns, zur Anregung der Sinne, als Ort der Erinnerung, zum gemeinsamen Arbeiten und Gestalten oder einfach nur zum Spazierengehen“, erklärt Uwe Braun, Leiter der AWO Pflege in Schleswig-Holstein. „Unkraut vergeht nicht heißt auch: Älterwerden kann gelingen!“

Im AWO Haus am Mühlenteich hat Betreuungsassistentin Annette Sternberg bereits Mitte Mai gemeinsam mit Bewohnerin Ruth Becker die ersten Tomaten in Kübel ausgepflanzt, das Hochbeet mit Pflücksalat bestückt und Stiefmütterchen umgetopft. Karotten, Radieschen und Sonnenblumen sollen in den nächsten Wochen folgen. „Ganz wichtig“, so Ruth Becker: „Der Gartentisch und die Stühle nebendran!“ Sie laden zum täglichen Verweilen und Sonnenbaden ein.

Das Tränende Herz sorgt für lächelnde Gesichter
Wie wichtig der Garten für die älteren Menschen ist, auch ohne dass sie aktiv darin arbeiten, weiß auch Holger Kuhlmann, Gärtner im Sinnesgarten des AWO Servicehauses Mettenhof: „Viele schauen jeden Morgen aus dem Fenster oder von ihrem Balkon aus in den Garten. Dieser Blick in den Garten und auf meine Arbeit ist ihnen eine tägliche Freude und ein festes Ritual.“ Häufig weckt ein Spaziergang durch den Garten bei den älteren Mensch auch Erinnerungen an früher: „Eine Mieterin sprach mich kürzlich auf das Tränende Herz an. Schon als Kind hätten sie die herzförmigen Blüten im Garten magisch angezogen und sie sei immer wieder zu dieser Blume gerannt.“

Von einigen Bereichen im Garten lässt Holger Kuhlmann inzwischen bewusst die Finger: „Zwei Mieterinnen kümmern sich um das Stufenhochbeet und das Kräuterbeet. Ein Mieter hat sich der Weinpflanze im rollbaren Hochbeet angenommen. Als ich das noch nicht wusste und den Wein selbst zurückgeschnitten habe, hatten wir Redebedarf. Zuletzt haben wir den Standort des Beetes gemeinsam an einen sonnigeren Fleck verlegt.“

Neuer Anstrich für Blumenkästen und Hochbeete
Gemeinsam etwas zu gestalten und darüber hinaus eine Brücke zwischen Jung und Alt, zwischen Mietern in der WOHNpflege und Kindern aus dem Quartier zu schaffen, ist auch Ziel des Gartenprojekts im AWO Servicehaus Friesischer Berg in Flensburg. Gemeinsam mit den Schülern der Auguste-Viktoria-Schule haben die Mieterinnen und Mieter schon im vergangenen Jahr Pflanzkästen gebaut, ein Beet aus leuchtend bunten Blumen angelegt, Unkraut gejätet, gegossen und aus den Kräutern Öle hergestellt. „Dabei haben sie auch ihr Wissen an die jungen Leute weitergegeben, und wir konnten ganz nebenbei Ängste und Hemmungen der Schüler gegenüber der älteren Generation abbauen“, erklärt Einrichtungsleiterin Maren Seeliger. Die diesjährige Gartensaison wird ebenfalls gemeinsam eröffnet, mit dem Gartentag am 16.Juli. Geplant ist, dass Mieterinnen und Mieter, Angehörige, Schüler und Lehrer unter anderem den Blumenkästen und Hochbeeten einen neuen Anstrich geben. Anschließend wird gemeinsam im Garten gefeiert.
Doch nicht nur als Nutzgarten wird das Gelände genutzt. „Entstanden sind durch die generationsübergreifende Zusammenarbeit auch ein Sinnesgarten, der den Tast- und Geruchssinn unserer Mieter anregt, sowie ein Treffpunkt für Jung und Alt“, sagt Maren Seeliger. „So werden die Jahreszeiten auch für unsere Mieterinnen und Mieter erlebbar und spürbar.“

Ansprechpartnerinnen in der Region:

Flensburg
Marlen Lorenzen
Sozialer Dienst
Tel. 0461 94 03 89 442

Lensahn
Yvonne Gaede
Fachkraft soziale Betreuung
Tel. 04363 90 26 19

Mettenhof
Julia Mönkehaus
Projekte /Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0431 53 33 0 53