Unsere Schreibwerkstatt – Erinnerungen an Kindheit & Schule

14. Dezember 2020

In unserer Schreibwerkstatt treffen sich Mieterinnen und Mietern des Servicehauses und bearbeiten gemeinsam ein festgelegtes Thema. In diesem Jahr lag der Fokus auf den Themen Kindheit und Schule, dabei ging es sowohl um die eigene Kindheit, als auch um die Kindheit der eigenen Kinder und der Enkelkinder. Die Erinnerungen an diese Zeiten sind so unterschiedlich wie die Menschen – mal traurig, mal fröhlich, mal muss man laut loslachen, ein anderes Mal lässt einen das Erzählte den ganzen Tag nicht mehr los.

Die entstandenen Geschichten werden bei Vorlesenachmittagen vorgetragen und in unserer Hauszeitung veröffentlicht. In diesem Jahr konnte die Schreibwerkstatt natürlich nicht wie geplant stattfinden und nur ein Vorlesenachmittag konnte verwirklicht werden. Die Mitglieder der Schreibwerkstatt haben trotzdem nicht geruht, haben ihre Erinnerungen verschriftlicht und in unserer Hauszeitung veröffentlicht.

Hier möchten wir Sie ein wenig mit durch das Jahr 2020 nehmen und worum es in der Schreibwerkstatt ging.

Anfang des Jahres war zum Glück noch ein Vorlesenachmittag möglich. Dieser stand unter dem Motto „Freud und Leid – Kindheitserlebnisse ab 1945“.

Der Vorlesenachmittag begann einem gemeinsam gesungenenden Lied („Freut euch des Lebens“) und mit zwei Zitaten von Theodor Fontane die ganz gut zu dieser schwierigen Zeit passten:

„Zwischen Hochmut und Demut steht ein drittes, dem das Leben gehört, und das ist der Mut. – und Am Mute hängt der Erfolg.“ – Theodor Fontane

„Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser.“ – Theodor Fontane (30.12.1819-20.09.1898)

Ein Thema der Lesung war der kalte Winter 1946/1947, unter dem die deutsche Bevölkerung sehr gelitten hatte.  Dazu kamen die Lebensmittelknappheit und der Hunger. Mütter hatten Angst, dass ihre Kinder erfrieren oder nicht richtig mit Nahrung versorgen zu können. Aber die meisten von ihnen schafften es, dank ihres Einfallreichtums sich selbst und ihre Kinder durch diese schwierige Zeit zu bringen.

Weitere Themen waren „Wintersorgen und Winterfreuden“, Lebensmittelnot ab 1945 und das Thema „Süßigkeiten“ : Damit die Familie trotz der schlechten Lage die Entbehrungen nicht so stark spürten und vor allem Kinder nicht auf so etwas köstliches wie Süßigkeiten verzichten mussten, zauberten die meisten Mütter mit wenig Lebensmittel ein köstliches Mahl oder auch Süßigkeiten. Dem Erfindungsreichtum und der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt.

Im weiteren Jahresverlauf konnte leider keine Lesung mehr stattfinden. Das Thema „Erinnerungen aus der Kindheit – Heiteres und Ernstes“ (im Alter von 0- 6 Jahren) wurde deswegen in Einzelarbeit von den Autor*innen erarbeitet und in der Hauszeitung veröffentlicht.

Die Geschichten aus der Kindheit waren sehr facettenreich: Wie verhalten sich Kinder in unterschiedlichen Situationen? Mit welchen Erziehungsvorstellungen von Erwachsenen wurden sie konfrontiert? Und welche treuen Begleiter unterstützten sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit und des Erwachsenwerdens? Die Geschichten erzählen wie Kinder eigene Wege gehen, ihrer eigenen Logik folgen, um ihre Ziele  zu erreichen. Sie können dabei sehr kreativ sein. Oder wie sie mit Gefühlen und Begehrlichkeiten, mit Lust und Unlust und Ärger und Angst umgehen  oder aber einfach aus Freude etwas ausprobieren oder ihrer Neugierde freien Lauf lassen. Erlebnisse im Sommer, Freundschaften zwischen Kindern, Tiere als treue Wegbegleiter, Rückzugsorte und Geheimnisse, fröhliche und lehrreiche Weihnachtsgeschichten – all diese Aspekte des kindlichen Erlebens wurden von unseren Autor*innen für die Nachwelt festgehalten im Jahr 2020.

Im kommenden Jahr soll das Thema Kindheit noch einige Zeit beibehalten werden, die Schreibwerkstatt wird sich z.B. den Winterfreuden und den Lieblingsspeisen widmen.

Wir danken unseren Autorinnen und Autoren ganz herzlich für die spannenden Einblicke in die Vergangenheit und wir danken unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin Christine Schmid, die die Schreibwerkstatt nun schon einige Jahre leitet und begleitet. Vielen Dank!