Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung von älteren Menschen 2017

9. Juni 2017

12. World Elder Abuse Awarness Day (WEAAD)

Auf Initiative des „International Network for the Prevention of Elder Abuse“(INPEA) finden am 15. Juni 2017 weltweit Aktionen statt. Diese machen auf das noch oft vernachlässigte Problem der Diskriminierung und Misshandlung von älteren, pflegebedürftigen Menschen eindringlich aufmerksam. Die Aktionen wollen sensibilisieren sowie Lösungsstrategien aufzeigen und eine Einstellungsveränderung fördern.

Das PflegeNotTelefon in Schleswig-Holstein bietet seit 1999 gemeinsam mit den Pflegestützpunkten, der Pflegebrücke in Wedel und vielen Kooperationspartner*innen eine Rund-um-die-Uhr Beratung zu kritischen Situationen in der Pflege an. „Es ist leider auch ein Teil der Realität, dass es in einer Pflegesituation auch zu Übergriffen oder Vernachlässigung kommen kann. Der Grund ist in der Regel nicht, dass die Pflegenden ‚kaltherzig‘ sind, sondern meist starke emotionale Anspannung oder Überlastung. Deshalb ist es so wichtig, das PflegeNotTelefon zu haben“, sagte Sozialministerin Kristin Alheit. „Und deshalb fördert das Land dieses Projekt seit so langer Zeit. Die Betroffenen können sich aussprechen, über einen besseren Umgang mit der Situation nachdenken, Rat und Hilfe finden. Das PflegeNotTelefon trägt landesweit dazu bei, eine sachliche, öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema anzustoßen und Impulse zu geben, damit die Pflege älterer Menschen gewaltfrei ohne Missbrauch und Vernachlässigung gelingen kann.“

Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone Beratungs- und Beschwerdestellen für alte Menschen (BAG) warnt davor, das Thema zu unterschätzen. „Wir müssen uns intensiv mit der Frage von Aggressionen und Gewalt im Alter und in der Pflege beschäftigen“, so Prof. Dr. Hirsch vom Forum „Altern ohne Gewalt“ in Bonn. „Gewalt hat vielfältige Formen und Gesichter in der Familie genauso wie in der professionellen Unterstützung.“ Aus den Beratungsgesprächen wird deutlich, dass aggressives Handeln von älteren Menschen, pflegenden Angehörigen und Pflegefachkräften ausgehen kann. „Wir müssen offen darüber reden und den Menschen Unterstützung und Hilfe anbieten. Dazu zählen Schulungen, Deeskalationtrainings genauso wie die Krisenberatung“, sagt Anke Buhl Projektkoordinatorin für das PflegeNotTelefon.

Um die Angehörigen auf die Pflege vorzubereiten und zu begleiten, bietet das PflegeNotTelefon jedes Jahr vielfältige öffentliche Veranstaltungen mit den regionalen Pflegestützpunkten an. In diesem Rahmen findet sowohl ein Erfahrungsaustausch statt, es werden aber auch fachliche Informationen gegeben. So haben sich in Kiel über 100 Teilnehmer*innen mit der Frage beschäftigt, was es bedeutet, wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig werden. Weitere Veranstaltungen in Kiel und Itzehoe finden im Herbst 2017 statt. www.pflege-not-telefon.de

Hintergrund:

Gewalthandlungen gegen ältere Menschen sind keine Seltenheit. Ca. 25 Prozent der älteren Bürger (ohne Pflegebedürftigkeit) haben innerhalb eines Jahres Gewalterfahrungen machen müssen. Es kann davon ausgegangen werden, dass pflegebedürftige ältere Menschen erheblich häufiger Gewalterfahrungen machen. Aber nur wenige Gewaltsituationen werden „aktenkundig“. Nicht selten hat Gewalt innerhalb einer Pflegebeziehung in der Familie eine lange Vorgeschichte. Unwissenheit, Zeitmangel, Erschöpfung und Überforderung tragen dazu bei, dass die eigene Häuslichkeit große Risiken mit sich bringt. Über 53 Prozent der Angehörigen berichten, dass sie innerhalb eines Jahres selber gegenüber Pflegebedürftigen gewalttätig wurden.

 

Foto: R.D. Hirsch / B. Makowsky-Rohe