Wenn die Bühne zum Film-Set wird

19. August 2020

Achtung Filmaufnahmen - Das AWO Musiktheater Ensemble war statt auf der Bühne am Filmset im Nordkolleg Rendburg zu finden.

Vom Theater zum Film – dieser Aufgabe hat sich das AWO Musiktheater Ensemble unter Leitung von Claudia Piehl gestellt und kam im August eine Woche für Filmaufnahmen mit Kameramann Bernhard Waack am Nordkolleg Rendsburg zusammen. Das Ziel: Die Filmadaption des im letzten Jahr bereits auf die Bühne gebrachten Theaterstückes „Die Kieler Stadtmusikanten starten durch“ (frei nach dem Bremer Vorbild). Die Geschichte ist schnell erzählt: Vier Senior*innen, die im Beruf, von ihrer Familie oder ihrer Krankenkasse nicht mehr für voll genommen werden, haben die Schnauze voll und erwecken ihre alte Band zu neuem Leben und nehmen an einer Casting-Show teil.

Der Hintergrund für die Filmadaption liegt in Coronazeiten auf der Hand: Ein Theaterensemble lebt nicht nur für seine Proben, sondern vor allem auch für das Bühnenerlebnis mit Publikum. Für ein Senioren-Ensemble von Ü70 bis Ü90 – dessen Mitglieder und auch ein Großteil der Zuschauer zur Risikogruppe bei Coronainfektionen zählen –  wird eine Aufführungsspraxis in absehbarer Zeit nicht möglich sein.

„Wir brauchen also eine andere Darstellungsform“, waren sich Claudia Piehl und Susanne Weber, Leiterin des AWO Servicehaus Mettenhof, einig. Diese Darstellungsform sollte nicht nur eine Perspektive für die Schauspieler*innen des Ensembles bieten, sondern es sollte auch eine Form sein, die die Zuschauer*innen der Aufführungen erreicht. „Und damit lag dann das Medium „Film“ nahe“, so Claudia Piehl.

Gut 20 Minuten wird der fertige Film dauern. Fünf Drehtage mit sehr vielen Wiederholungen – nicht nur wegen etwaiger Versprecher, sondern auch, um verschiedenen Kameraeinstellungen und Perspektiven aufzunehmen – haben die Schauspieler*innen, Regiesseurin und Kameramann gemeinsam dafür am Filmset im Nordkolleg zur Verfügung.

„Ich bin gespannt ein Wievielfaches an Drehminuten dem 20-minütigen Film am Ende gegenübersteht“, sagt Schauspieler Max Kreienbring.

Schon die Vorfreude auf die Dreharbeiten war groß, aber die Aufnahmen selbst übersteigen diese Freude bei den Beteiligten noch. Hygiene- und Abstandsmaßnahmen haben ihren Platz, aber hindern die eingeschworene Schauspieler-Gemeinschaft nicht an guter Laune und Konzentration während der Aufnahmen. Die Aufnahmen konnten dank einer Kulturspende der vonovia, die die Vermieterin der Servicehaus-Wohnungen ist, so schnell anlaufen. Vonovia-Regionalbereichsleiter Nils Bartels hat das Vorhaben mit 3.000 EUR großzügig unterstützt.

Die Dreharbeiten sind allerdings nur der Anfang. Der Schnitt und die weitere Nachbereitung machen einen großen Teil des Projektes aus. Ein Musikvideo als krönender Abschluss des Films entsteht gerade noch im Kopf von Claudia Piehl und der „Hit“ für die Kieler Stadtmusikanten muss auch noch komponiert und eingespielt werden. Es wartet also noch Arbeit auf das AWO Musiktheater Ensemble und seine Filmcrew bevor der Film seine Premiere haben wird.

„Das Film-Projekt „Die Kieler Stadtmusikanten starten durch“ ist ein direktes Resultat aus den Einschränkungen rund um Corona. Wir möchten ein Beispiel für gelungene „soziale Teilhabe einer Risikogruppe“ sein und den Stellenwert von geragogischer (Kultur-)Arbeit allgemein unterstreichen. Die Botschaft der Kieler Stadtmusikanten „Man muss keine Angst vor dem Alter haben und es wird leichter, wenn wir uns zusammentun“,  ist eine die wir gerne laut ausrufen , fasst Susanne Weber zusammen.

 

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Abonennten des ePaper der Kieler Nachrichten können in der Ausgabe der KN vom 13.08.2020 einen Artikel von Jennifer Ruske über die Dreharbeiten lesen.