„Wir rosten nicht nur vor uns hin!“ – Seniorengerechte Quartiersentwicklung in Lauenburg

15. Dezember 2014

Ein Artikel von Elke Richel, erschienen in der Bergedorfer Zeitung vom 13.12.2014

Wie lebt es sich im Alter in Lauenburg? Eine Umfrage unter Senioren soll die Grundlage für ein Projekt der altersgerechten Quartiersentwicklung bilden. Die Awo Schleswig-Holstein erarbeitet das Konzept und beantragt Bundesmittel zur Finanzierung. Geplant sind neue Hilfsangebote ebenso wie die Beteiligung der Senioren am gesellschaftlichen Leben.

Dorothee Börner musste nicht lange überlegen: „Was ich in Lauenburg am meisten vermisse, sind altersgerechte Freizeitangebote.“ Bereitwillig beantwortete die Seniorin die Fragen, die ihr Daniela Pöls stellte. Die 25-Jährige lernt zurzeit den Beruf Altenpflegerin, am Dienstag war sie allerdings wie ihre Mitschülerinnen mit einem Stapel Fragebögen in der Stadt unterwegs, um ältere Lauenburgerinnen und Lauenburger zu ihren Wünschen für ein seniorengerechtes Wohnumfeld zu befragen. Wohnsituation, Familienverhältnisse, notwendige Hilfe im Alltag, gewünschte Informationen über seniorengerechte Themen – die Liste der Fragen war lang. Dorothee Börner nahm sich trotzdem die Zeit: „Wann werden wir Alten schon mal um unsere Meinung gefragt?“ Was der Seniorin an der Umfrage besonders gefiel: „Es geht auch um Wünsche, sich im Alter zu engagieren. Wir rosten nicht nur vor uns hin“, machte sie klar.

„Genau um diese Aspekte ging es uns auch in dieser Umfrage“, sagt Anke Buhl, Referentin der Altenpolitik bei der Awo Schleswig Holstein. In den nächsten Wochen werden die Ergebnisse der Umfrage zusammengefasst und unter anderen auch daraus ein Konzept für seniorengerechte Quartiersentwicklung erarbeitet. „Unsere Wahl fiel auf Lauenburg, weil gerade im Stadtkern die Altersstruktur der Bewohner dafür geeignet ist und weil wir die geplante bauliche Entwicklung mit inhaltlichen Aspekten für diese Zielgruppe ergänzen möchten“, erläutert Anke Buhl das Anliegen. Bei der Lauenburger Politik und Verwaltung und auch beim Seniorenbeirat der Stadt habe sie mit diesem Anliegen offene Türen ein gerannt. Bereits zu Beginn des nächsten Jahres will die Awo des Landes für Lauenburg Fördermittel aus dem Topf des Kuratoriums Deutsche Altershilfe beantragen. „Die Chancen dafür stehen gut“, versichert Anke Buhl.

Ehe der Förderantrag gestellt wird, sollen die Ergebnisse der Umfrage und weitere Analysen des Lauenburger Umfeldes zunächst in einen Maßnahmenkatalog fließen. „Wir wollen bestehende Angebote vernetzen, aber auch neue Strukturen schaffen. Dabei geht es uns auch darum, die Seniorinnen und Senioren in die Entwicklung eines altersgerechten Lebensumfeldes ein zu beziehen“, erläutert Anke Buhl den Projektansatz. So gehe es neben konkreten Hilfsangeboten auch darum, das Potenzial der betagten Lauenburger zu nutzen: „Viele wollen sich ja beschäftigen und anderen helfen, andere Senioren sind auf Unterstützung angewiesen. Das muss koordiniert werden.“

Zudem sei der Zeitpunkt für den Start für das Projekt Quartiersentwicklung ideal. „Wenn sich in nächster Zeit im Stadtkern baulich vieles verändert, können wir das mit unserem Konzept inhaltlich begleiten“, ist sie überzeugt. Dazu zählten Freizeitangebote für Senioren im Wohnquartier ebenso wie Barrierefreiheit und Chancen, sich im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten auch im Alter für die Stadt und die Bürger zu engagieren.